Von einer packenden Aufholdjagd und einem tragischen Helden

Eine packende Aufholjagd, ein spannendes Finish Ende und ein tragischer Held – das Westfalenliga-Spiel zwischen den Sportkeglern der SU Annen II und dem SC Reckenfeld war an Dramatik kaum zu überbieten. Am Ende verloren die Reckenfelder knapp mit 1:2 (36:42/ 4790:4795) und verpassten damit eine Art Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft.

Besonders Udo Reinker wird dieses Spiel wohl nicht so schnell vergessen: Es war der 118. Wurf seines Durchgangs, der vorletzte Wurf des Spiels. Die Partie Spiel stand auf Messers Schneide. Der 40-Jährige hatte eine Acht angeworfen, nun noch die rechte Hinterdame abräumen, und dann mit einem sauberen Anwurf den Sieg seiner Mannschaft sicherstellen. Doch in Gedanken war er wohl schon zu sehr beim letzten Wurf – eine kurze Unkonzentriertheit, und die Kugel kippte nach links in die Gosse. Fassungslos blickte Udo Reinker der Kugel hinterher. Kein Anwurf. Kein Jubel. Ungläubiges Entsetzen bei seinen Mitspielern. Mit fünf Holz war das Spiel verloren.

Am Ende musste wohl jeder im SCR-Sextett eingestehen, die fehlenden Hölzer zum Sieg irgendwo verspielt zu haben. Denn trotz des starken Ergebnisses hatten sich alle Reckenfelder an diesem Tag einige unnötige Fehler geleistet. Marc Schelhove beispielsweise begann ganz schwach, wechselte mit lediglich 360 Holz auf die dritte Bahn und kämpfte sich am Ende auf 777 Holz. Björn van Raalte kam zwar auf ordentliche 793, verschenkte aber auf drei Räumgassen durch einfache Fehler kurz vor Schluss den wichtigen letzten Anwurf.

Somit spielte Annen zu Beginn durch Emir Cabric (830) und Gerd Weitzel (823) eine komfortable 83-Holz-Führung heraus. Spannend wurde es im zweiten Block, weil Annens Detlef vom Hofe sich überhaupt nicht zurecht fand und frühzeitig gegen Silvio Reinholz ausgewechselt wurde: Ihr Ergebnis von 717 Holz bot dem SCR eine große Angriffsfläche für den als Minimalziel anvisierten Zusatzpunkt. Jonas Müller nahm diese Einladung dankbar an, wenngleich ihm phasenweise die auf Kunststoffbahnen nötige Kontrolle in den Würfen fehlte. Sonst wären sicher mehr als 774 Holz möglich gewesen.
Einmal mehr als Plastik-Spezialist erwies sich dagegen Frank Reinker, der am Ende auf starke 819 Holz kam. Bei insgesamt drei Bauernfehlern musste allerdings auch er sich nach Spielende selbst vorhalten, den möglichen Sieg verspielt zu haben. Gegen Heinz Kirchhof (804) machte er jedoch weitere Punkte gut, so dass der SCR mit lediglich elf Holz Rückstand in den Schlussblock ging.

Hier wurde es dann dramatisch: Udo Reinker begann mit einer schwachen 180er-Bahn, Annens Top-Spieler Markus Schmid startete sogar nur mit 179. Danach aber legten beide los wie die Feuerwehr. Robin Graes begann furios, sein Gegner Volkhard Wenzel konnte nur auf der ersten Bahn dagegen halten. Zur Halbzeit des letzten Blocks lag der SCR knapp vorn, doch Annen blieb dran, weil Schmid auf seiner dritten Bahn überragende 230 warf. Auf der Schlussbahn schließlich wechselte die Führung hin und her, weil nun auch Graes schwächelte. Trotzdem kam er am Ende auf starke 820 Holz, Wenzel nur auf 773. Schmid sicherte sich den Tagessieg mit 848 Holz, doch Udo Reinker hielt sein Team mit einer glänzenden letzten Räumgasse auf Siegeskurs. Bis zum vorletzten Wurf. Dann standen für ihn 807 Holz zu Buche und Annen als Sieger fest.