SC Reckenfeld 1928 e.V.

Pflichtsieg zum Abschluss

Pflichtsieg eingefahren – mehr saß nicht drin: Die Kegler des SC Reckenfeld haben die Zweitliga-Saison mit dem erwarteten Playoff-Heimerfolg abgeschlossen. Die Freude bei den Reckenfeldern hielt sich allerdings in Grenzen, denn am Ausgang der Aufstiegsrunde änderte dieses Ergebnis nichts mehr. Und so blieb dem SCR nichts anderes übrig, als der TG Herford zur Rückkehr in die 1. Bundesliga zu gratulieren.

Ein verdienter Erfolg ­– da waren sich am Samstag alle einig. Denn die Ostwestfalen gewannen in den Playoffs nicht nur ihr Heimspiel pflichtgemäß, sondern wurden in den drei anderen Durchgängen jeweils Zweiter hinter dem Gastgeber – so auch beim Saisonfinale am Wittlerdamm, wo die Herforder einmal mehr all ihre Erfahrung und spielerische Klasse in die Waagschale warfen. Allen voran Nationalspieler Raffael Tönsmann, der mit 877 Holz eine Top-Zahl ablieferte. Besser machten es am Samstag nur die beiden Reckenfelder Andre Ahlers (924 Holz) und Jonas van Raalte (881).

Auf Seiten des SCR fiel zum Saisonabschluss niemand nach unten ab: Julian Geerdes (854), Nick von Voss (841), Michael Schlüter (844) und Robin Graes (875) platzierten sich allesamt in der oberen Hälfte der Einzelwertungsliste und schraubten das SCR-Ergebnis am Ende auf 5219 Holz. Der künftige Erstligist Herford kam auf 5001 Holz vor KV Gelsenkirchen (4922) und KV BW Sontra (4726).

Die Reckenfelder hatten ihre gute Ausgangsposition aus der Normalrunde bereits vor zwei Wochen beim Playoff-Auftakt in Sontra aus der Hand gegeben, als sie lediglich als Vierte ins Ziel kamen. Schon da hatte sich abgezeichnet, dass die TG Herford in der entscheidenden Saisonphase hellwach und in Top-Verfassung war, um nach einem Jahr die Rückkehr in Eliteliga fix zu machen. Und so war schon vor dem finalen Durchgang klar, dass der SCR ein weiteres Jahr zweitklassig bleibt.

Umso erfreulicher aus Reckenfelder Sicht, dass am Samstag etliche Zuschauer „ihr“ Team noch einmal lautstark anfeuerten und für eine starke Saison feierten. Aufmunternde Worte gab es auch von den Herforder Siegern: „Euch gehört die Zukunft“, hieß es da. Die Enttäuschung im SCR-Lager ließ sich damit jedoch nicht vertreiben. Trotzdem versprach Teamsprecher Andre Ahlers einen neuen Anlauf in der nächsten Saison.

Gemeinsamer Abschluss nach der Aufstiegsrunde zur 1. Liga: Die Mannschaften der TG Herford, des SC Reckenfeld, des KV Gelsenkirchen und der KV BW Sontra. (Foto: Reinker)

Meisterrennen frühzeitig entschieden

Die Vorfreude aufs kommende Wochenende war groß: Beim SC Reckenfeld hatten sich alle ein packendes Finale um den Aufstieg in die 1. Liga gewünscht. Doch daraus wird nichts. Nach drei Playoff-Spielen steht fest, dass die Reckenfelder Sportkegler am Samstag nur als Gastgeber und Gratulanten auftreten werden. Ein solider Auftritt in Gelsenkirchen und eine gute Leistung in Herford reichten am Doppelspieltag nicht, um den verkorksten Playoff-Auftakt aus Sontra zu korrigieren.

Um noch einmal ins Aufstiegsrennen eingreifen zu können, hätte der SCR am Wochenende zumindest einmal vor Herford landen müssen. In Gelsenkirchen machte die TG Herford diese Hoffnung frühzeitig zunichte: Raffael Tönsmann (911 Holz), Thomas Klein (851) und Uwe Hippert (878) legten für den Zweitplatzierten der abgelaufenen Normalrunde drei Zahlen aufs Gelsenkirchener Kunststoffgeläuf, die an diesem Tag für keinen SCR-Spieler erreichbar waren. Robin Graes kam an seinem 26. Geburtstag mit einer guten zweiten Hälfte auf solide 835 Holz. Noch schwerer taten sich Andre Ahlers (798), Jonas van Raalte in seinem 100. Zweitliga-Spiel (815) und Nick von Voss (807). Zu diesem Zeitpunkt war die Luft bereits raus, auch wenn Michael Schlüter mit starken 849 Holz gegen Herfords Thomas Schöttker (772) nochmal Boden gutmachen konnte. Doch das reichte natürlich nicht, um Dieter Stumpe (793) für den Schlussblock ernsthafte Ambitionen mit auf den Weg zu geben.

Herford war am Ende mit 5063 Holz deutlich näher dran, Gastgeber KV Gelsenkirchen (5123) hinter sich zu lassen, als vom SCR (4897) eingeholt zu werden. Nur die KV Sontra (4809) konnten die Reckenfelder in Schach halten. Das bedeutete, dass der SCR am Sonntag in Herford gewinnen musste, um das Aufstiegsrennen offen zu halten. Und tatsächlich hielt das Team im Sportpark Waldfrieden endlich so dagegen, wie man sich das während der gesamten Playoffs gewünscht hätte. Bis zum fünften Kegler wechselte die Führung zwischen Gastgeber Herford und Herausforderer Reckenfeld hin und her: Graes (852), van Raalte (815), Julian Geerdes (857), Ahlers (834) und von Voss (832) warfen alles in die Waagschale. Nach hinten raus ging dem SCR dann jedoch die Puste aus, und für Herford brachte Alexander Mirus (847) den Sieg gegen Dieter Stumpe (752) am Ende sicher ins Ziel: Der Gastgeber (5067) behauptete sich vor dem SCR (4942), Gelsenkirchen (4801) und Sontra (4801).

In der Playoff-Tabelle haben die Ostwestfalen damit jetzt drei Punkte Vorsprung und obendrein die deutlich bessere Unterwertung. Ein Führungswechsel ist zum Saisonfinale am Wittlerdamm nur noch rein rechnerisch möglich. In der Praxis bleibt den Reckenfeldern damit am Samstag nur die Rolle des Gastgebers für das Schaulaufen des künftigen Erstligisten. Feiern dürfen dann die Herforder.

Doppelspieltag in der Meisterrunde

Der kapitale Fehlstart in die Playoffs hat den Keglern des SC Reckenfeld massiv aufs Gemüt geschlagen. Mit dem vierten und letzten Platz in Sontra haben die Reckenfelder ihre gute Ausgangsposition aus der Hand gegeben. Die Leistung am vergangenen Wochenende? „Nicht schlecht, aber so herrlich durchschnittlich, dass es anderswo wohl nur zu einer Teilnehmer-Urkunde gereicht hätte“, fasste es SCR-Spieler Robin Graes treffend auf dem Mannschafts-Insta-Account zusammen.

Es gilt nun, diesen Rückschlag schnellstmöglich aus den Köpfen zu bekommen vor dem vielleicht schon entscheidenden Doppelspieltag in Gelsenkirchen (Samstag) und Herford (Sonntag). Um die Minimalchance auf den Erstliga-Aufstieg zu wahren, müssen die Reckenfelder in mindestens einem dieser Spiele vor Herford bleiben. Eine echte Herausforderung, zählen doch die Bahnen in Gelsenkirchen wahrlich nicht zu den Favoriten der SCR-Kegler. In der abgelaufenen Spielzeit waren die Herforder „auf Schalke“ mehr als 100 Holz besser als die Reckenfelder. Bleibt als Strohhalm also nur die Phrase, dass Playoffs ihre eigenen Gesetze haben – wie der SCR gerade erst in Sontra schmerzlich erfahren musste. „Wenn die Konkurrenz schwächelt, müssen wir zur Stelle sein“, sagt SCR-Teamsprecher Andre Ahlers.

SCR: Ahlers, van Raalte, von Voss, Schlüter, Graes, Geerdes, Stumpe

Ernüchterung bei den SCR-Keglern

Das hatte man sich ganz anders vorgestellt. Wo auf der Hinfahrt ins hessische Sontra noch Euphorie herrschte, machte sich auf der Heimreise Ernüchterung breit: Die Kegler des SC Reckenfeld haben zum Auftakt der Playoffs zur 1. Bundesliga ihre zuvor glänzende Ausgangsposition eingebüßt. Am ersten Spieltag der Aufstiegsrunde belegten die Reckenfelder, die als Führende ins Rennen gestartet waren, den vierten und letzten Platz. Entsprechend tief saß die Enttäuschung: „Mit einem einzigen Spiel haben wir die gesamte Saison kaputt gemacht“, stellte SCR-Teamsprecher Andre Ahlers resigniert fest.

Die TG Herford, die als Reckenfelds schärfster Aufstiegskonkurrent in die Playoffs gestartet war, und der andere Erstliga-Absteiger KV Gelsenkirchen spielten in Sontra ihre geballte Erfahrung und Abgezocktheit aus und setzten damit die junge SCR-Truppe unter Druck. Robin Graes mit starken 890 Holz, Nick von Voss (873) und Michael Schlüter (860) hielten nach Kräften dagegen. Doch Ahlers (852) und Jonas van Raalte (860) konnten dieses Mal nicht an ihre überragenden Leistungen aus dem Ligaspiel Mitte November anknüpfen, als sie jeweils mehr als 900 Holz erzielt hatten. „Einfach schlecht“, ging Ahlers anschließend hart mit sich ins Gericht.

Zumindest die Gelsenkirchener hätte der SCR noch in Schach halten können, denn auch das Team aus dem Ruhrgebiet leistete sich mit einem 816er-Ergebnis einen Ausrutscher. Doch Julian Geerdes, der sich schon im November schwer getan hatte auf den eigentlich ergiebigen Sontraer Bahnen, schaffte es als Schlusskegler nicht, den knappen Rückstand aufzuholen und damit wenigstens das Schlimmste zu verhindern. Seine 796 Holz standen am Ende symptomatisch für den völlig verkorksten Start des SCR-Sextetts.

Der Aufstieg ist für die Reckenfelder nun in weite Ferne gerückt: Mit sechs Punkten hat Herford nun alle Trümpfe in der Hand, der SCR hat wie Sontra einen Zähler weniger auf dem Konto. Es bräuchte aber schon eine wahre Leistungsexplosion am anstehenden Doppelspieltag in Gelsenkirchen (Samstag) und Herford (Sonntag), um nochmal oben angreifen zu können. Doch gerade die Bahnen „auf Schalke“ waren für die SCR-Kegler in der Vergangenheit stets ein unlösbares Rätsel. Wohl auch deshalb hat Andre Ahlers das Thema innerlich schon ein wenig abgehakt: „Wir müssen das jetzt irgendwie würdevoll zu Ende spielen“, lautet sein ernüchtertes Fazit.

Jetzt zählt’s: Aufstiegsrunde startet in Sontra

Seit fünf Jahren zweitklassig, seit drei Jahren Stammgast in der Aufstiegsrunde – und jetzt vor dem großen Sprung? Die Kegler des SC Reckenfeld klopfen vehement an die Tür zur 1. Bundesliga. Als Führender nach der Zweitliga-Normalrunde geht der SCR mit vier Punkten Vorgabe in die Playoffs, die am Samstag (12 Uhr) im hessischen Sontra starten. Eine Woche später sind der KV Gelsenkirchen (Samstag) und die TG Herford (Sonntag) Gastgeber, bevor am 7. März in Reckenfeld die Entscheidung über den Erstliga-Aufstieg fällt.

Vier Spiele, in denen die Reckenfelder nur allzu gern den Lohn für eine bärenstarke Saison einfahren würden. Doch in den vergangenen Jahren hat sich mehrfach gezeigt, dass der Playoff- Modus seine eigenen Gesetze hat. Viel hängt davon ab, wer mit der Drucksituation am besten umgehen kann.

Dem Auftakt in Sontra könnte gleich eine Schlüsselrolle zukommen. In der Normalrunde feierte der SCR dort einen überraschenden Auswärtssieg. Eine Wiederholung dieses Coups ist zum Playoff-Start zwar nicht zu erwarten. Vielmehr wird es darauf ankommen, in welcher Reihenfolge sich die drei Gästeteams hinter Sontra einsortieren. Die Ergebnisse der Normalrunde könnten den Schluss nah legen, dass Gelsenkirchen am Samstag Reckenfelds schärfster Widersacher werden könnte. Allerdings sollte man die Herforder, die als Tabellenzweiter mit drei Punkten Vorgabe in die Playoffs starten, nicht abschreiben: Angesichts ihrer Routine und langjährigen Erstliga-Erfahrung ist eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Ligaspiel im September zu erwarten. „Unser Ziel am Samstag muss sein, vor Herford zu landen“, sagt SCR-Teamsprecher Andre Ahlers. Sollte das gelingen, würde die 1. Liga einen weiteren Schritt näher rücken.

Und dann ist da ja noch das Gesetz der Serie, das für die Reckenfelder spricht: Nach Platz vier in der Saison 22/23, Rang drei in 23/24 und der Vizemeisterschaft vor einem Jahr wäre dieses Mal eigentlich der Titel fällig. Doch die Entscheidung fällt nunmal auf der Bahn. Jetzt zählt´s!

SCR: Andre Ahlers, Jonas van Raalte, Nick von Voss, Michael Schlüter, Robin Graes, Julian Geerdes, Dieter Stumpe.